Öffentliche Einladung der Kreisverbände Darmstadt und Darmstadt-Dieburg
Wir wollen am kommenden Sonntag in lockerer Atmosphäre bei einem kleinen Imbiss und einem Gläschen Sekt oder Orangensaft den Kontakt mit unseren Mitstreiterinnen und Mitstreitern vertiefen und mit an linker Politik interessierten Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen. Dabei wollen wir uns über die anstehenden Herausforderungen für die Politik in Darmstadt und darüber hinaus austauschen.
Programm
Gerhard Wiebe wird uns mit dem Saxophon durch das ca. einstündige Programm begleiten.
Sonntag, 5.2.2012, 11 Uhr
Hoffart-Theater, Lauteschlägerstr. 28a (Hinterhof)
Öffentliche Filmvorführung und Diskussion mit dem Autor Fulvio Grimaldi

Der politische Dokumentarfilm von Fulvio Grimaldi behandelt den "Arabischen Frühling", erklärt die historischen und politischen Bedingungen in Libyen und dokumentiert die NATO-Aggression gegen das Land. Der Autor wird anwesend sein und für Fragen und Diskussion zur Verfügung stehen.
Im Frühling 2011 hat die NATO "zum Schutz der Zivilbevölkerung" Libyen massiv bombardiert. Durch das Bombardement und die Kämpfe kamen mindestens 40.000 Menschen ums Leben. Die Infrastruktur des Landes wurde schwer beschädigt. Der UN-Beschluss, der die Durchsetzung einer Flugverbotszone zum Inhalt hatte, wurde von den NATO-Staaten dreist uminterpretiert in eine Lizenz zum Sturz der Regierung. Die Medien flankierten den barbarischen Angriff und unterstützen auch heute den heuchlerischen Menschenrechts-Interventionismus der westlichen Staaten. Kritische Stimmen dringen kaum in die Öffentlichkeit durch.
Eine solche Stimme ist Fulvio Grimaldi. Der freie Journalist war Kriegsberichterstatter großer Zeitungen in der arabischen Welt und hat 16 Jahre beim staatlichen italienischen Fernsehsender RAI gearbeitet. Im April und Mai 2011 war er mit der Kamera in Libyen, um sich ein Bild von der Situation und der Stimmung der Bevölkerung zu machen. ("Libyen unter den Bomben der NATO", NRhZ)
Wir haben ihn eingeladen, uns anhand des Films aus erster Hand zu informieren und seine Sichtweise mit uns zu diskutieren. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich dazu eingeladen:
Samstag, 11.2., 19 Uhr
Hoffart-Theater, Lauteschlägerstr. 28a (Hinterhof)
... die im Landtag nicht abgegeben werden durften
Janine Wissler
Herr Präsident, meine Damen und Herren!
Ja, ich war am 13. Februar 2010 in Dresden, um gemeinsam mit über 10.000 anderen Menschen einen der größten Naziaufmärsche Europas zu blockieren. Nicht nur Willi van Ooyen und ich waren dort, sondern die gesamte Fraktion. Die Blockade, die von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis getragen wurde, war erfolgreich. Die Nazis konnten nicht marschieren.
Die sächsische Justiz hat beantragt die Immunität von Willi van Ooyen und mir im Landtag aufzuheben. Wir sollen zusammen mit den thüringischen und sächsischen Fraktionsvorsitzenden der LINKEN wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz angeklagt werden, weil wir die „Rädelsführer“ der Anti-Nazi-Blockade gewesen seien.
Wir sind zur Vernehmung ins LKA Sachsen vorgeladen wurden, Absender war die Abteilung „Politisch motivierte Kriminalität links - Verratsdelikte und Kriegsverbrechen“. Absurder geht es kaum noch. Friedlicher Widerstand gegen neofaschistische Umtriebe ist keine Kriminalität, sondern ist Auftrag aller Demokraten.
Erst vor wenigen Wochen ist eine von Nazis verübte Mordserie bekannt geworden. Und diese Morde sind keine Einzelfälle. Seit 1990 sind mindestens 182 Menschen durch rechte Gewalt ums Leben gekommen.
Nazi-Strukturen bekämpft man meiner Überzeugung nach nicht mit Geheimdiensten. Diese sie sind Teil des Problems, nicht der Lösung. Nazis können nur durch gesellschaftliche Mobilisierung und zivilgesellschaftliches Engagement nachhaltig bekämpft werden. Deshalb ist es so wichtig, sich den Nazis überall entgegenzustellen, wo sie aufmarschieren und wo sie agieren.
Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte in seiner Rede im Deutschen Bundestag anlässlich des 67. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz: „Da sind Menschen, die den Rechtsextremen, die durch ihre Städte marschieren wollen, immer wieder entgegentreten und zeigen: Wir dulden eure Diffamierungen, euren Hass nicht, schon gar nicht eure Gewalt. Es sind Menschen, die Zivilcourage beweisen, die nicht wegsehen, Diskriminierungen nicht unwidersprochen stehen lassen. Es sind Menschen, die ein Beispiel geben und die Mut machen. Dieses Engagement werden wir brauchen und diesen Mut auch.“
Wir halten die strafrechtliche Verfolgung und die Kriminalisierung breiter Anti-Nazi-Proteste für ein fatales Signal ins In- und Ausland und an alle Menschen, die Opfer von rechter Gewalt wurden. Die Nazis dürfen marschieren, die breite Gegenmobilisierung wird durch das Sammeln von Telefondaten, Hausdurchsuchungen und Ermittlungsverfahren eingeschüchtert. Eine mordende Nazi-Bande zieht ein Jahrzehnt lang ungehindert von den Sicherheitsbehörden durch die Republik, während linke Antifaschisten angeklagt werden.
Die CDU-Fraktion hat uns vorgeworfen, die Justiz zu behindern, weil wir uns gegen die Immunitätsaufhebung wehren. Aber das Gegenteil ist der Fall: Die Justiz behindert uns im Kampf gegen Nazis.
Unhaltbar ist auch der Vorwurf der CDU, wir würden eine Vorzugsbehandlung gegenüber anderen Bürgerinnen und Bürgern einfordern. Das ist grundfalsch. Über 10.000 Menschen haben in Dresden demonstriert, darunter auch viele Mitglieder und Abgeordnete von SPD und Grünen, und vier LINKE-Fraktionsvorsitzende sollen angeklagt werden. Wir sollen also nicht trotz, sondern wegen unserer parlamentarischen Funktion angeklagt werden. Genau davor soll die Immunität aber schützen, nämlich vor der willkürlichen Verfolgung von politischen Aktivitäten.
Ich sage - auch an die Adresse der Dresdner Staatsanwaltschaft: Wir werden auch dieses Jahr wieder nach Dresden fahren, als gesamte Fraktion und uns an der Blockade gegen die Nazis beteiligen - ob mit oder ohne Immunität. Ich hoffe, dass sich in diesem Jahr noch viel mehr Menschen den Nazis in den Weg stellen und rufe dazu auf, Nazi-Aufmärsche, ob in Dresden oder anderswo, entschlossen und massenhaft zu blockieren.
Keinen Fußbreit dem Faschismus!
Willy van Ooyen
Herr Präsident, meine Damen und Herren!
Ich stehe vor ihnen ohne Reue. Ich weiß Recht und Moral auf meiner Seite. Mich ermutigen die Worte des Bundestagspräsidenten Lammers, der am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz im Deutschen Bundestag sagte, "die jüngst aufgedeckte Mordserie von Neonazis verpflichtet die Deutschen dazu, sich weiter mutig und engagiert gegen jede Form von Rechtsextremismus zu stellen". Vielleicht sollten sie, meine Damen und Herren auf den und um die Regierungsbänke, sich gelegentlich wieder einmal mit der deutschen Geschichte beschäftigen.
Es geht in unserem Fall nicht um Diebstahl und auch nicht um ein Verkehrsdelikt. Es geht um die Teilnahme an einer politischen Protestaktion gegen einen geplanten Nazi-Aufmarsch am 13. Februar 2010 in Dresden. Und ich bleibe ausdrücklich dabei: Es ist vor dem Hintergrund unserer Geschichte demokratische Pflicht, sich gegen solche Aufmärsche zur Wehr zu setzen!
Um die Frage einer missbräuchlichen Strafverfolgung wirklich beurteilen zu können, sollten alle Abgeordneten zumindest den Sachverhalt kennen, um den es hier konkret geht.
Als Landtagsfraktion wollten wir uns an den Protestaktionen gegen den in der Dresdner Neustadt geplanten Nazi-Aufmarsch beteiligen und zwar mit einer öffentlichen Fraktionssitzung unter freiem Himmel. Dies hatten wir angekündigt, allerdings ohne Angabe von Ort und Zeit und auch ohne die Aufforderung an andere, daran teilzunehmen. Es ging allein darum, dass wir uns treffen und dass auch die Landtagsfraktionen aus Thüringen und Sachsen sowie Abgeordnete des Bundestages und des Europaparlaments teilnehmen könnten.
Wir versammelten uns ab 8 Uhr im "Haus der Begegnung" an der Großenhainer Straße, jenem Ort also, an dem im letzten Jahr eine – wie wir inzwischen wissen – rechtswidrige polizeiliche Durchsuchung stattgefunden hat. Dort verabredeten wir gemeinsam in Richtung Albertplatz aufzubrechen, wo am Nachmittag eine Gegenkundgebung stattfinden sollte. Doch wir kamen gar nicht bis zum Albertplatz, denn wir wurden bereits vor dem Bahnhof Neustadt auf der Hansastraße von einer Polizeikette aufgehalten. Da ein Weiterkommen nicht möglich war, entschieden wir uns dazu, einfach vor Ort zu bleiben.
Ausgangspunkt für die staatsanwaltlichen Ermittlungen waren drei Strafanzeigen von Neonazis. Eine davon kam aus der NPD-Fraktion des Sächsischen Landtages, eine andere von einem bekanntermaßen rechtslastigen ehemaligen Richter, der leider auch mehrere Jahre in Sachsen am Oberlandesgericht tätig war. Ich finde, das sollten Sie wissen.
Die Staatsanwaltschaft Dresden informierte mich über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen angeblicher Sprengung einer Versammlung und bot zugleich an, dieses Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage von 500 EUR einzustellen. Nachdem ich die Zahlung abgelehnt hatte, erhielt ich vom Landeskriminalamt eine Vorladung zu einer Vernehmung als Beschuldigter. Ich zog es vor, über meinen Anwalt schriftlich Stellung zu nehmen und die Vorwürfe auszuräumen. Dennoch wurde das Verfahren nicht eingestellt. Stattdessen wurde beim Landtag die Aufhebung meiner und Janine Wisslers Immunität beantragt.
Tatsache ist: Wir haben am 13. Februar 2010 gemeinsam mit mehreren tausend Menschen auf der Hansastraße in Dresden friedlich demonstriert (was selbst von der Justiz nicht bestritten wird). Wir sind zu keinem Zeitpunkt zum Verlassen der Örtlichkeit bzw. des Standortes der öffentlichen Fraktionssitzung unter freiem Himmel aufgefordert worden. (Das bestätigen die Polizeiberichte und selbst die Staatsanwaltschaft behauptet nicht mehr das Gegenteil). Wir als LINKE haben uns immer als Teil der Protestbewegung gegen die Neonazis gesehen, nie eine Führungsrolle angestrebt. Sämtliche Gegendemonstranten waren absolut freiwillig an diesem Ort. Wenn aber nun von über 12.000 Teilnehmern an den Gegenveranstaltungen nur die Fraktionsvorsitzenden der LINKEN aus Sachsen, Thüringen und Hessen vor Gericht gestellt werden sollen, dann ist die politische Absicht nicht zu übersehen.
In gleicher Sache wurden die Verfahren gegen andere Parlamentarier - auch aus unserer Fraktion - ohne Auflagen eingestellt. Ich verweise ausdrücklich auf die bemerkenswerte Begründung dieser und anderer Einstellungen, nach der die Betreffenden sittlich-moralisch positiv gehandelt hätten und kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bestehe. Wenn das aber so ist, dann müssten auch die Verfahren gegen Andre Hahn, Bodo Ramelow und uns eingestellt werden. Warum das nicht geschehen ist, darüber mag sich jeder sein Urteil bilden.
Inzwischen ist erwiesen, dass es entgegen anderslautenden Behauptungen doch politische Einflussnahme auf unser Verfahren gegeben hat. Ich halte es für ein absolutes Unding, dass in einem Immunitätsverfahren gegen führende Oppositionspolitiker Briefe der Staatsanwaltschaft an den hessischen Landtag im sächsischen Justizministerium redigiert werden. Und abgerundet wird das Ganze durch das erfreulich offenherzige Geständnis der Staatsanwaltschaft, dass wir einzig und allein wegen unserer herausragenden Rolle als Fraktionsvorsitzende angeklagt werden sollen. Genau das aber ist eklatant rechtswidrig, denn im Strafrecht zählt die konkrete Tat und nicht die Funktion eines Beschuldigten.
Den Widerstand gegen rassistische, ausländerfeindliche und nationalistische Aktivitäten habe ich seit den 1960er Jahren als eine wichtige Aufgabe der Demokratie- und Friedensbewegung betrachtet und mich regelmäßig den Protesten angeschlossen. Widerstandskämpfer, die KZ und Gefängnis durchlitten oder auch international gegen Besatzung und Krieg gekämpft haben, haben mich geprägt. Mit Menschen wie Peter Gingold (aus der französischen Résistance), mit Emil Carlebach (KZ Buchenwald und Mitverfasser der Hessischen Verfassung) aber auch mit Horst Symanowski und Martin Niemöller war ich freundschaftlich verbunden.
"Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.", diese Worte sollten auch heute noch eine Mahnung sein.
Denn Protest gegen Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Krieg ist ohne Zweifel auch in Zukunft dringend erforderlich. Wir können damit nicht bis zum nächsten Gedenktag warten.

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