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Pressemeldung

14. September 2011

Jochen Partschs Rede zu Brandnacht und 9/11: Wie ein Elefant im Porzellanladen

Jochen Partsch hat laut Bericht im Darmstädter Echo vom 12.9. in seiner Rede zum Gedenken an die Darmstädter Brandnacht eine "makabre, aber auch tief bewegende Verbindung" zwischen der Bombardierung Darmstadts 1944 und den Anschlägen vom 11. September 2001 hergestellt. DIE LINKE. Darmstadt ist erstaunt und irritiert über die in dem Zeitungsartikel wiedergegebenen Argumente für diese Sichtweise auf die beiden schrecklichen Ereignisse.

Jochen Partsch fordert demnach ausdrücklich, historische Ereignisse von ihrem Kontext - in der Rede als "Kausalketten" bezeichnet - zu lösen und dann die isolierte Tat an ethischen Grundsätzen zu messen. Diese Vorgehensweise führt zu einem Ergebnis, das anschlussfähig ist an den Opfermythos, wie er von Rechtsaußen gepflegt wird, um die ursächliche Verantwortung Deutschlands für die Gräuel des Zweiten Weltkriegs zu relativieren.

Die Bombardierung Darmstadts war zweifellos ein Akt des Terrors. Sie wurde durchgeführt im Verlauf eines von den Nazis ausgerufenen und mit größter Rücksichtslosigkeit auch gegen die Zivilbevölkerung durchgeführten "totalen Krieges". Die von Partsch einseitig an die britischen Kriegsstrategen gerichtete Forderung nach einer Kriegsführung, die auf Gegenterror zu verzichten und Zivilpersonen zu schonen habe, ist anmaßend. Jochen Partsch hätte sich ein Beispiel nehmen sollen an der Bearbeitung des Themas im Dokumentarfilm "Brandmale" von Christian Gropper, anstatt wie ein Elefant im Porzellanladen die Erfolge solcher Projekte zu gefährden.

Im Übrigen fragen wir uns, ob DIE LINKE sich nun über Jochen Partsch als Mitstreiter bei ihrer Kritik an den aktuellen Kriegseinsätzen der NATO freuen darf. Denn wenn "es keine Kausalkette gibt, mit der sich Gewalt gegen Unschuldige rechtfertigen lässt", kann auch der Abwurf von 20.000 Bomben über Libyen nicht mit dem Hinweis auf Verbrechen der Gaddafi-Regierung begründet werden, und die zivilen Opfer des Afganistan-Krieges nicht mit dem höheren Ziel der Durchsetzung der Menschenrechte.

Wir fordern Jochen Partsch auf, eventuelle Mißverständnisse in Bezug auf seine Rede zu klären und sich der Diskussion über seine Darlegungen zu stellen.