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Diskussionsbeitrag


Tobias Paul

Die Muslime sind nicht das Problem – gemeinsam für Frieden und soziale Gerechtigkeit!

Rede des Kreisvorsitzenden Tobias Paul in der Ahmadiyya-Moschee

Liebe Moscheegemeinde,
liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Gäste,

es freut mich sehr, heute Abend anlässlich eurer Friedenskonferenz bei euch sein zu dürfen. Denn Abende wie diese sind wichtig. Sie setzen Zeichen in einer Zeit, in denen das gesellschaftliche Zusammenleben durch eine rassistische Kampagne gegen Muslime im allgemeinen vergiftet wird. Ich möchte in aller Kürze auf die Ursachen und die Funktion dieses anti-muslimischen Rassismus eingehen.

Was wäre zu tun, um einen Krieg der Kulturen zu vermeiden?“, diese Frage stellt ihr in der Einladung zu dieser Konferenz. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, und würde von meinem Empfinden her die Frage anders stellen: "Was wäre zu tun, um den Krieg der Kulturen zu beenden?"

Denn das Feindbild "Islam" ist politisch gewollt und wird seit mehreren Jahren von verschiedenster Seite systematisch aufgebaut.

Staatsanwälte und Innenminister tun ihr übriges. Seit dem 11. September 2001 wurden weit über 100 Razzien in Moscheen und über 1500 Haus- und Bürodurchsuchungen allein in diesem Land durchgeführt. Die Medien stürzen sich darauf, ohne aber zu erwähnen, dass dabei keine nennenswerten Straftatbestände festgestellt werden konnten.

Man muss genau hinhören, wenn beispielsweise die CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt: "Deutschlands kulturelle Wurzel ist die christlich-jüdische Tradition". Dem vorangegangen war eine Rede des Bundespräsidenten Christian Wulff. Dieser prägte die, von vielen Medien und großen Teilen des politischen Establishments mit kurioser Empörung aufgenommene Aussage, der Islam gehöre inzwischen auch zu Deutschland.

In beiden Fällen darf aber nicht vergessen werden, dass die Geschichte dieses christlich-jüdischen Deutschlands, und im Grunde kann an dieser Stelle auch, mit Ausnahme des Holocaust, ganz Europa mit einbezogen werden, von anti-jüdischen Pogromen, Vertreibung, und Enteignung Menschen jüdischen Glaubens geprägt gewesen ist. Ich frage mich, wie viel Wert besitzen Tradition und Wurzeln, wenn sie konstruiert sind? Ist es nicht offensichtlich, dass hier nur weiter das Ziel verfolgt wird, nämlich den islamischen Kulturkreis unterschiedslos in eine feindliche Stellung gegenüber Europa und den Konflikt im Nahen Osten zu bringen - also weiter in einen Kulturkampf hineinzuziehen? Aber auch beispielsweise hierüber den Krieg in Afghanistan, als einen Krieg für Demokratie und Menschenrechte zu verklären, ihn hierüber zu legitimieren und seine waren Hintergründe, nämlich wirtschaftliche Interessen zu verbergen?

Uns bleibt nichts anderes übrig als hiergegen unsere Stimme zu erheben. Am 3. Januar waren wir von der LINKEN Darmstadt in Mainz, und haben mit über 500 anderen Menschen gegen Thilo Sarrazin und seine rassistischen Thesen demonstriert. Es war kein Zufall, dass die Debatte um Integration und Sarrazin zusammenfiel mit der Diskussion um das Sparpaket der schwarz-gelben Bundesregierung im Herbst vergangenen Jahres. Es war kein Zufall dass die Terrorwarnung im November 2010 zusammenfiel mit der Abstimmung der Sparmaßnahmen gegen Arbeitslose und ihre Familien im Bundestag. Hier wurde gezielt die Gesellschaft gespalten, um von sozialen Problemen abzulenken.

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass in diesem sogenannten "Terrormonat" November 2010, indem jeder, der auch nur den geringsten Anschein erweckte, dem islamischen Kulturkreis anzugehören, unter Generalverdacht gestellt wurde. Das in dieser Zeit der einzige Anschlag in Deutschland eine Moschee in Berlin-Neukölln getroffen hat.

Zurück zur Frage: "Was wäre zu tun, um den Krieg der Kulturen zu beenden?". Ich möchte eine Antwort wagen. Wir müssen unabhängig unserer Weltanschauung und Religion ein gesellschaftliches Bündnis von Muslimen und Nicht-Muslimen aufbauen, dass auf gegenseitiger Achtung und Respekt fußt. Dieses Bündnis hätte die Kraft, durch die Eindrücke und Erfahrungen des gemeinsamen alltäglichen Kampf am Arbeitsplatz, auf den Straßen und Plätzen dieser Republik, die Menschen gegenüber Rassismus immun zu machen.

Ich will es hier in aller Deutlichkeit sagen: Die Muslime sind nicht das Problem – gemeinsam für Frieden und soziale Gerechtigkeit!

Vielen Dank


DIE LINKE im Bund