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Diskussionsbeitrag


Ernst Hilmer

Neusprech

Bad-bank, Rettungsschirm, das Volk and Democracy

Zur Demokratie kamen wir durch das Volk der Griechen. So haben wir das in der Schule gelernt. Jetzt kommen die Griechen unter den Rettungsschirm. Und das Volk ist nicht tapfer (und spart), es ist undankbar. Es will nicht unter den Schirm. Der werde nur das Kapital der Kapitalisten retten, nicht sie. Der verzweifelte Volksvertreter, Grigorius Papandreous, bedrängt von der EURO-Troika (1),  befragt nicht das Orakel von Delphi. Er will sich in bester aufklärerischer Tradition an das Volk wenden. Doch er hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. "Wirtschaft besorgt über Athener Euro-Manöver" titelt die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen Tag später, und ihr Kommentator stöhnt: "Wie ein Blitz aus heiterem (!) Himmel schlägt diese Nachricht (...) an den Märkten ein." (2)

Das Plebiszit, dito "Manöver",  findet nicht statt. Der Volksvertreter geht, die Sachverwalter des Schirms kommen. Und nur drei Tage später stehen die Experten schon vor den Toren Roms. Der Schirm zum Schutz des Mehrwerts spannt sich nun auch über das Land, wo einst die Zitronen blühten. Und schon jetzt überlegt man, ob dieses Erfolgsrezept nicht auch für unsere Kommunen anwendbar wäre. Für unsere gebeutelte Wissenschaftsstadt Darmstadt zum Beispiel. Die Schulden könnten ja dann aus dem Darmstadtium in eine Bad-Bank ausgelagert werden, die Stadt könnte neue Projekte finanzieren, die maroden Schulen renovieren und und und ...

Was denn daran schlecht sei an diesem Produkt der Finanzmärkte – wenn doch "die Märkte ein Instrument der Aufklärung" (3) sind?  Doch "wo der Glaube tausend Jahre gesessen hat, eben da sitzt jetzt der Zweifel" (4). Da macht sich auch flugs das Handelsblatt auf die Suche nach dem Bösen und kommt zur Einsicht, dass das "das Volk das Vertrauen in diese Experten verloren hat" und "die Märkte als Bedrohung" empfände.  Das Volk ist beunruhigt. Es darf nicht allein gelassen werden. Denn – so resümiert Deutschlands berühmter Dramatiker Botho Strauß - "auf dem Gebiet, von dem sein Wohlergehen am meisten abhängt, ist (das Volk) ein Stümper" -"und" – so fügt das Handelsblatt hinzu – "reagiert mit antikapitalistischen Affekten." Aufklärung sei also dringend geboten. Und sie könne gleich beginnen, "mit einem Pflichtfach Ökonomie in den Schulen" (5). Kapitalismus als fauler Kredit auf die Bad-Bank - Es lebe die freie Marktwirtschaft? Oder "marktkonforme Demokratie"? Oder:  Was ist ein Kapitalist? Ma(r)x weiß es: "Er entlässt das Geld nur mit der hinterlistigen Absicht, seiner wieder habhaft zu werden." Und er - der Kapitalist - gibt sich nicht etwa damit zufrieden. Er will mehr – den Mehrwert.

Jedem das Seine. Zum Lehrsatz das Exempel. Ein marktkonformer Rettungsschirm (6) für die Wissenschaftsstadt? In das Rathaus ziehen dann die Sachverwalter – pardon die Konkursverwalter. Der Demokratie. Nun denn, packen wir`s an: Mit einem Pflichtfach Ökonomie in den Schulen.

 


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