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Diskussionsbeitrag


Dr. Stefan Nold

Wird der Beyerweg zum Philipp-Benz-Weg?

Leserbrief, veröffentlicht in der APO

Die Fraktion DIE LINKE hat in der Stadtverordnetenversammlung den Antrag gestellt, den Beyerweg umzubenennen. Der Beyerweg ist ein Fußweg, der südlich des Arheilger Friedhofs von der Römerstraße abzweigt und zur Ettesterstraße führt. An dem Abzweig liegt die Kirche der Stadtmission Arheilgen, ganz in der Nähe ist ein Kindergarten und jeder der aus südlicher Richtung in Richtung Friedhof läuft, kommt an dem Straßenschild "Beyerweg" vorbei. Vielleicht sind eines Tages auch Verwandte aus Amerika darunter. Und dann fragt Onkel Bill aus den USA: "Who is Adolf Beyer?" Und dann müsste man sagen: "Adolf Beyer war Lehrer an den Werkstätten für angewandte Kunst, malte Landschaften, Stilleben und den "Datterich bei der Morgentoilette". Er war kein sehr bekannter Künstler aber ein überzeugter Nationalsozialist. 1931 schuf er das großformatiges Ölgemälde "Der Führer in der Kampfzeit", das 1933 im Staatsministerium ausgestellt wurde. Er saß für die NSdAP im Stadtrat. Sein "Verdienst" in dieser Zeit bestand darin, sämtliche Stücke, die nach der damaligen Kunstauffassung als "entartet" galten, aus der Sammlung der Mathildenhöhe zu entfernen. 1943 war er der letzte Preisträger des von den Nationalsozialisten gestifteten Kulturpreises der Stadt Darmstadt. Dreißig Jahre später, 1973 hat man diesen Weg nach ihm benannt." Wir sollten den kleinen Weg so schnell wie möglich umbenennen – nicht nur für Onkel Bill aus der neuen Welt, sondern in erster Linie für uns und unsere Kinder aus der alten Welt, die täglich an diesem Straßenschild vorbeilaufen.

Als neuer Namensgeber wurde unter anderem der Arheilger Philipp Benz (13.3.1912 – 13.11.2911) vorgeschlagen. Philipp Benz war einer, der sich nie hat unterkriegen lassen, weder durch die Wachmannschaften des Konzentrationslagers Osthofen, wo er als Kommunist gleich zu Beginn der Nazi-Zeit ein halbes Jahr einsaß, noch später durch das Verbot der KPD im Nachkriegsdeutschland. Philipp Benz war in Arheilgen eine über alle Parteigrenzen respektierte Persönlichkeit. Bei einem Empfang der SGA zu seinem 95. Geburtstag würdigte der Ehrenvorsitzende der SGA, Alexander Pfeiffer, in seiner Laudatio die Verdienste von Philipp Benz bei Zusammenführung der verbotenen und aufgelösten Arheilger Sportvereine zur SGA nach dem Krieg, seine humanistische Gesinnung und seinen Einsatz für die Verfolgten des Naziregimes. Es war der Architekt Philipp Benz, der den ersten Entwurf zur Sporthalle der SGA ablieferte. Von 1967 bis 1977 war Benz Vorsitzender der SGA, danach Ehrenvorsitzender. In den achtziger Jahren war er zusammen mit Rolf Brücher, Pfarrer Moeller von der Kreuzkirchengemeinde und anderen in der Friedensinitiative Darmstadt-Arheilgen aktiv und schrieb Artikel für das "orhelljer friedensbläddsche", das damals in insgesamt 22 Ausgaben in einer Auflage von 500 Stück in Arheilgen verteilt wurde. Mit seinem wachen und widerständigen Geist war Philipp Benz ein echter Mucker. Diesen kleinen Weg nach ihm zu benennen, wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem er seine letzte Ruhe gefunden hat, wäre eine schöne Anerkennung für seine Verdienste für Arheilgen, für die SGA und für sein Engagement als Zeitzeuge des Konzentrationslagers Osthofen. Es ist das Engagement für die Zivilgesellschaft, das Philipp Benz mit den vielen Menschen verbindet, die sich in den Vereinen, in den Kirchen aber auch in der Politik engagieren. Es ist schön, wenn dieser Idealismus in Form eines Straßennamens gewürdigt wird. Es bedarf aber auch eines finanziellen und strukturellen Rahmens, damit die Ehrenamtlichen Erfolg haben und helfen können, die Welt zu einem besseren Ort für uns alle zu machen.


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